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M a d a g a s k a r
Hauptstadt: Antananarivo
Fläche: 587 041 km²
Bevölkerung: ca. 16 mio
Bevölkerung Die
Bewohner von Madagaskar sind vermutlich Nachkommen von Indonesiern und
Afrikanern, die im Altertum die Insel besiedelten. Madagaskar verfügt
über eine ethnisch sehr vielfältige Bevölkerung, wobei
die Hochlandgebiete dichter besiedelt sind als die Küstenregionen.
Große Volksgruppen im Landesinneren sind die Marina, die auch als
Hova bezeichnet werden, und die verwandten Betsileo. Die Mitglieder beider
Gruppen stammen vorwiegend von Einwanderern aus Malaysia und Indonesien
ab, die etwa vor 2 000 Jahren in das Land kamen. Die Küstengebiete
sind hauptsächlich von Völkern malaiisch-indonesischer, schwarzafrikanischer
und arabischer Abstammung bewohnt. Zu diesen Volksgruppen zählen
die Tsimihety, Sakalava und Antaisaka. Die Hauptstadt Antananarivo ist
die größte Stadt. Weitere wichtige urbane Zentren sind Toamasina,
Fianarantsoa, Mahajanga, Toliara und Antsiranana. Die städtischen
Bewohner bilden 28 Prozent (1996) der Gesamtbevölkerung.
Sprache Die beiden Amtssprachen
von Madagaskar sind Französisch und der Merina-Dialekt Malagassi,
eine Sprache malaiisch-indonesischen Ursprungs.
Religion Mehr als die
Hälfte der Bevölkerung sind Anhänger traditioneller Glaubensrichtungen.
Die Christen bilden mehr als zwei Fünftel der Bevölkerung, und
die Muslime sind eine kleine Minderheit.
Kunst Führende Bibliotheken
mit Sammlungen madagassischer Geschichte, Literatur, Kultur und Kunst
sind die Nationalbibliothek und die Bibliothek der Académie Malgache
in Antananarivo. Das Historische Museum und das Museum für Kunst
und Archäologie sind die wichtigsten Museen und befinden sich ebenfalls
in Antananarivo. Die kulturelle Vielfalt wird von der Regierung des Landes
gefördert.
Das Land Madagaskar erhielt
1958 innerhalb der Französischen Gemeinschaft als Madagassische Republik
die Autonomie. 1960 erlangte das Land die volle Unabhängigkeit und
nahm 1975 den Namen Demokratische Republik Madagaskar an. Nach der Verfassung
von 1975 unterstand Madagaskar der Regierung durch den Präsidenten,
der vom Volk für sieben Jahre gewählt wurde, dem 22 Mitglieder
umfassenden Obersten Revolutionären Rat, der vom Präsidenten
ernannt wurde, dem Ministerrat unter der Führung des Ministerpräsidenten
und der Nationalversammlung, deren 137 Mitglieder für eine Amtszeit
von fünf Jahren gewählt wurden. Im November 1991 wurde eine
Übergangsregierung geschaffen, und im August 1992 fand eine neue
Verfassung Zustimmung, die die Macht des Präsidenten einschränken
sollte. Das System der Rechtsprechung orientiert sich an dem Modell Frankreichs.
Es umfasst einen Obersten Gerichtshof in Antananarivo, ein Berufungsgericht,
elf erste Instanzen und spezielle Wirtschafts- und Strafgerichte. Die
Struktur der kommunalen Verwaltung gliedert sich in sechs Provinzen, die
in Präfekturen, Unterpräfekturen und Kantone unterteilt sind.
Madagaskar ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN), der Organisation
für Afrikanische Einheit (OAU) und verschiedener anderer internationaler
Organisationen. Es gehört außerdem zu den Unterzeichnerstaaten
des zweiten Abkommens von Lomé von 1979 über die Zusammenarbeit
zwischen der Europäischen Union (EU) und etwa 60 Entwicklungsländern.
Nach einem Jahrzehnt der politischen
Stabilität nach der Erlangung der Unabhängigkeit erlebte das
Land ernsthafte soziale und politische Unruhen. Im Januar 1976 trat Oberleutnant
und Befehlshaber Didier Ratsiraka seine siebenjährige Amtszeit als
Präsident an. Der wirtschaftliche Druck Ende der siebziger Jahre
führte zu politischen Unruhen, auf die die Regierung mit einer Serie
von Warnungen und Verhaftungen reagierte. Von angeblichen Verschwörungen
gegen die Regierung wurde 1977, 1980 und 1982 berichtet. Nach seinen Wiederwahlen
im November 1982 und März 1989 schlug Ratsiraka im Mai 1990 einen
weiteren Putschversuch nieder. Nach massiven Demonstrationen gegen die
Regierung versprach er im August 1991, demokratische Reformen einzuführen.
Im November nahm eine Übergangsregierung ihre Geschäfte auf,
und im August 1992 wurde durch ein Volksreferendum eine neue Verfassung
verabschiedet. Albert Zafy besiegte Ratsiraka in einer Stichwahl um die
Präsidentschaft im Februar 1993. Der Übergang zur Zivilregierung
war geprägt von der Opposition der Truppen von Ratsiraka-Anhängern
sowie von Konflikten mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)
wegen des Wechselkurses des Madagassischen Franc.
Wirtschaft Madagaskar
ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Wirtschaft ist wie
schon zur Zeit der Kolonisation von der Landwirtschaft geprägt. Viele
Betriebe, die früher von französischen Interessen gelenkt waren,
wurden 1975 verstaatlicht. Aufgrund der gebirgigen Landschaft ist nur
ein geringer Prozentsatz von Madagaskar landwirtschaftlich nutzbar. Die
wichtigsten Anbauprodukte sind Reis, Maniok, Bohnen, Bananen, Mais, Süßkartoffeln,
Kartoffeln und Taro. Diese Güter werden gewöhnlich auf subsistenzwirtschaftlicher
Basis angebaut. Die Produktion konnte jedoch nicht immer mit dem Bevölkerungswachstum
Schritt halten, und in den siebziger Jahren war deshalb der Import beträchtlicher
Mengen von Lebensmitteln, besonders von Reis, erforderlich. Zu den Exportgütern
gehören Kaffee, Gewürznelken, Zuckerrohr, Sisal, Tabak und etwa
80 Prozent der weltweiten Vanillevorräte. Als Nutztiere werden in
Madagaskar viele Rinder, Ziegen und Schweine gehalten. Mineralprodukte
sind Bauxit, Glimmer, Graphit und Chrom. 1980 entdeckte Erdölvorkommen
vor der Küste sind bisher noch nicht kommerziell gefördert worden.
Die Lebensmittelverarbeitung (Fleischverpackung, Brauerei und Zuckerraffination)
ist der führende Industriezweig. Die Erdölraffination und der
Fahrzeugbau gewinnen an Bedeutung, und darüber hinaus stellt das
Land in geringerem Umfang Textilien, elektronische Geräte, Glas,
Druckereiprodukte und Tabakartikel her. Kaffee ist das wichtigste Exportgut,
gefolgt von Vanille, Zucker, Nelken und Nelkenöl. Zu den Hauptimportgütern
zählen Chemikalien, Maschinen, Rohöl, Fahrzeuge und Fahrzeugteile
und Metallerzeugnisse. Frankreich, die Vereinigten Staaten von Amerika,
Deutschland und Japan sind die wichtigsten Handelspartner des Landes.
Der Madagassische Franc ist die Währungseinheit.
Verkehr und Kommunikation
Antananarivo bildet das Zentrum des begrenzten Transportsystems von Madagaskar.
Der wichtigste Hafen, Toamasina, bewältigt 35 Prozent des gesamten
Außenhandels. Weitere Hafenstädte sind Mahajanga, Toliara und
Antsiranana. In Madagaskar gibt es mit dem internationalen Flughafen in
Antananarivo insgesamt vier große Flughäfen. Air Madagascar
ist die staatliche Fluggesellschaft. Radio und Fernsehen bieten die beiden
staatlichen Sender Radio-Télévision Malagasy und Radio Madagasikara
an. Einflussreiche Tageszeitungen sind die von der Regierung überwachte
Madagascar-Tribune und die oppositionelle Zeitung Imongo Vaovao.
Bildungswesen Seit den
siebziger Jahren herrscht für alle Kinder von 6 bis 13 Jahren eine
Schulpflicht von 5 Jahren. 1990 war der Alphabetisierungsgrad bis auf
80,2 Prozent angestiegen. Die Universität von Antananarivo ist die
wichtigste Einrichtung für höhere Bildung.
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